Kontraproduktiv,

so muss man die Aktion von Gil Ofarim wohl bezeichnen. Vor etwa zwei Wochen postete der Sänger ein Instagram-Video, in dem er aussagte, er wäre wegen des Tragen seines Davidsterns in einem Leipziger Hotel beschimpft worden. Nun zeichnen die veröffentlichten Bilder der Sicherheitskamera ein anderes Bild. Auf keiner der veröffentlichten Aufnahmen ist zu sehen, dass er eine Davidsternkette trägt.
Die Ermittlungen laufen noch. Doch es ist für die öffentliche Wahrnehmung schon beinahe egal, was sie jetzt noch ergeben.

Gil Ofarim sagte dem Boulevardblatt mit den vier Buchstaben, dass es bei seiner Aktion um etwas Größeres gegangen wäre. Im Kern hat er damit natürlich Recht. Antisemitismus war und ist ein Problem in Deutschland. Darauf hinzuweisen, auch laut, ist immanent wichtig. Man hat es auch an den Reaktionen gesehen, die ihm nach Veröffentlichung des Videos entgegenschlugen, die für viele Menschen lesbar in den Kommentarspalten der sozialen Medien standen.

Klar, auch ich bin dem Video und den darin getätigten Aussagen aufgesessen, da ich Opfern zunächst einmal Glauben schenke. Asche auf mein Haupt.

Mit dieser, man muss sagen dämlichen Aktion, hat er bei allen Antisemiten automatisch die Glaubwürdigkeit aller Juden in Deutschland in Frage gestellt. Genau um die Maßeinheit „etwas Größeres“, hat Gil Ofarim den Kampf gegen Antisemitismus zurückgeworfen. Möglicherweise um einige wichtige Jahre.

Doch so ganz simpel ist es dann eben doch nicht. Unabhängig vom Wahrheitsgehalt des Filmchens, hat die ursprüngliche Meldung in den Medien schon ein ebenso erschreckendes wie auch leider vorhersehbares Echo hervorgerufen. Antisemiten kamen aus ihren Löchern gekrochen und haben sofort losgelegt. Genau diesen Menschen, hat Gil Ofarim nun den Rücken gestärkt und das ist bitter. Der Schaden noch nicht genau abzumessen, aber immens.

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Juden sind hier nicht erwünscht […]

Edit: nach mutmaßlicher Änderung der Sachlage, muss man diesem Text an anderer Stelle etwas hinzufügen.

[…] im Westin Hotel Leipzig. Zumindest nicht, wenn sie ihr Jüdischsein offen zeigen. Diese Erfahrung musste Gil Ofarim vorgestern im genannten Hotel machen.

Seiner Aussage zufolge, wartete er in einer Schlange, um im Hotel einzuchecken. Immer wieder wurden Menschen hinter ihm vorgezogen. Dies geschah, „um die Schlange zu entzerren„, so die Aussage des Hotelmitarbeiters Herrn W. gegenüber dem Sänger. Anschließend rief „jemand aus der Ecke„, Ofarim solle seinen Davidstern einpacken. Der erwähnte Herr W. wiederholte die Aufforderung, die nun offenbar zur Bedingung wurde, um überhaupt einchecken zu dürfen.

Diesen Vorfall schilderte der sichtlich aufgelöste und den Tränen nahe Gil Ofarim in einem Instagram-Video, das er vor dem Westin-Hotel aufzeichnete und online stellte. Zurecht zeigte sich der Sänger ebenfalls schockiert darüber, dass niemand, der anwesenden anderen Gäste und des Personals, Anstalten machte einzugreifen. Ein weiterer trauriger Höhepunkt antisemitischer Vorfälle in Deutschland. In Deutschland im Jahre 2021.

Einmal bekannt geworden, erlebte das Hotel auf seiner Facebook-Seite einen veritablen Shitstorm. Es versteht sich von selbst, dass Drohungen und Rachephantasien, das Hotel solle idealerweise dem Erdboden gleichgemacht werden, nicht zu den Dingen zählen, die ich als angemessen ansehe. Die entsprechenden anderen Reaktionen allerdings, hat sich dieses Hotel sehr wohl verdient.

Die Reaktion des Hotelmanagements allerdings ist wesentlich dünner ausgefallen. Erst nach ein paar Stunden fühlte man sich bemüht, in den sozialen Netzwerken diese Meldung abzusetzen:

Wir sind besorgt über diesen Bericht und nehmen die Angelegenheit sehr ernst. Wir versuchen mit allen Mitteln, mit Herrn Ofarim in Kontakt zu treten, während wir dringend nachforschen, was passiert ist. 
Unser Ziel ist es, alle Gäste und Mitarbeiter zu integrieren, zu respektieren und zu unterstützen, unabhängig davon, welcher Religion sie angehören.

Hier wird deutlich, dass man nicht einmal im Ansatz begriffen zu haben scheint, worum es eigentlich geht. „Mit allen Mitteln mit Herrn Ofarim in Kontakt zu treten“ erschöpfte sich in einer Mail an sein Management, in der man Gesprächsbedarf anmeldete. Desweiteren ist es nicht die Aufgabe eines Hotels, Gäste zu integrieren. Zudem ist Gil Ofarim Deutscher. Gäste sollen bedient werden. Möglichst gut und alle gleich entgegenkommend. Hinzu kommt, dass das Judentum eben doch mehr als „nur“ eine Religion darstellt. Vor allem in Deutschland und Österreich.

Für das Verhalten der beiden Mitarbeiter gibt es keine Entschuldigung. Es geht diese beiden Spezialisten schlichtweg nichts an, was ein Gast zeigt oder trägt. Sollten sich Gäste daran stören, dann haben diese das Hotel zu verlassen. Solche Menschen können gerne draussen schlafen. Idealerweise in einer Industriebrache.

Das Hotel reagierte zumindest soweit, als dass es die beiden Mitarbeiter zunächst beurlaubte. Der Hauptbeschuldigte Herr W. hat nun Strafanzeige wegen Verleumdung erstattet. Nach seiner Sicht hat sich das Ganze anders zugetragen. Den Satz mit dem Davidstern allerdings, hat er nicht ausdrücklich bestritten. Daher ist es für die gesamten Umstände eigentlich egal, was dem vorausgegangen sein könnte. Es bleibt, dass ein Jude im Jahre 2021 in Deutschland dazu genötigt wird, sein Jüdischsein zu verstecken.

Das ist jedoch nicht der einzige Vorfall im Westin Hotel, Leipzig. So berichtet die Internetplattform queer.de, dass der Schweizer Musikmanager Piero Vecchioli, bereits im Juni 2020 Opfer einer homophoben Beleidigung wurde. In einem Artikel auf queer lesen wir:

Der homophobe Vorfall soll sich am 4. Juni 2020 ereignet haben. Vecchioli, der u.a. Patricia Kelly und Daniele Negro vertritt, habe sich damals im „Westin“ über sein Zimmer beschwert. So habe er fremde Haare auf dem Bett gefunden, außerdem sei der Abfluss im Bad verstopft gewesen. 

Der Hotelmanager sei schließlich persönlich gekommen und habe „an die Türe gepoltert“, so der Musikmanager in einer schriftlichen Stellungnahme. „Als ich öffnete, schaute er mich von oben bis unten an und sagte: ‚Wegen dir, du Drecks-Schwuchtel bin ich jetzt hier raufgekommen?'“ Der gebürtige Schweizer solle „so schnell wie möglich in das Scheiß-Land zurück reisen“, wo er herkomme.

Nach einer Beschwerde beim Hauptsitz der Hotelkette erhielt Vecchioli anstelle der erhofften Entschuldigung ein Hausverbot. „Durch Ihr Verhalten am 4. Juni 2020 gegenüber unseren Mitarbeitern haben Sie den Hotelbetrieb nachhaltig gestört“, zitiert RTL aus einem Schreiben an Piero Vecchioli. „Das können wir nicht länger hinnehmen. Wir sehen uns deshalb gezwungen, Ihnen für unser Hotelgebäude […] unbeschränktes Hausverbot zu erteilen.“

Doch auch das sind nicht die einzigen beiden Auffälligkeiten, die es zum Westin Hotel in Leipzig gibt So findet man auf Twitter dieser Meldung

Zur Pro-GSL GmbH findet sich dann in einem Artikel auf Antifainfoblatt diese Passage:

Ein Blick auf die von Oliver Riedel und Tobias Brendel betriebene Sicherheitsfirma „PRO-GSL GmbH“ (PG) verdeutlicht dies. Riedel selbst unterhält Kontakte zur „Black Rainbow Security“ und war selbst schon dort beschäftigt. Dass MitarbeiterInnen der PG aus dem Umfeld der BRS rekrutiert werden, wirkt demnach schlüssig. So soll etwa Markus Kottke 2012 bei BRS gearbeitet haben und war spätestens ab 2017 auch für die PG tätig. Bilder der PG, die im Rahmen eines Auftrags auf dem Lindenauer Hafenfest 2017 entstanden, zeigen auch Frank F. als Beschäftigten der Firma. Kottke, als auch Frank F. sind Teil des „Imperium Fight Team“ um Benjamin Brinsa und befanden sich unter den festgesetzten Neonazis im Januar 2016 in Leipzig-Connewitz – gemeinsam mit Tobias Brendel, dem zweiten Geschäftsführer der PG. Brendel, Frank F. und der Neo­nazi-­Hooligan Riccardo Sturm waren schon im April 2015 Teil einer bedrohlich wirkenden Gruppe am Rande eines Aufmarsches von „LEGIDA“, während Oliver Riedel auf dem Aufmarsch als Ordner tätig war.

Man kann unter Garantie der gesamten Westin-Hotelkette oder gar Mariott-Hotels keine Schuld für diese gehäuften Vorkommnisse geben, aber bei dem Management des Standortes Leipzig, darf man schon fragen, mit welchen rechten Dingen es dort zugeht.

Gestern Abend fand, wie oben bereits zu erkennen, eine Soliaktion für Gil Ofarim vor dem Hotel statt. Es fanden sich, einigen Angaben zufolge 300, nach anderen Quellen etwa 500 Teilnehmende ein. Für sich genommen eine schöne Anzahl. Gesamt betrachtet definitiv zu wenige Menschen. Doch sollte man es nicht zu madig machen. Immerhin haben sich spontan Menschen gefunden, die ein Zeichen setzten.

Das wollte das Hotel anscheinend ebenfalls und so mussten sich die Mitarbeiter draussen vor den Hoteleingang stellen und ein Banner hochhalten, das den Westin-Schriftzug in der Mitte zeigte. Um das Logo hatte man Israel-Fahnen und gleich noch zwei Halbmonde geklatscht. Auch das zeigt, dass man sich beim Management des Hotels in Leipzig immer noch nicht mit der genauen Problematik auseinander gesetzt hat. Antisemitismus ist eben nicht bloß eine weitere Form des Rassismus. Zudem ist Gil Ofarim eben kein Israeli. Doch diesen Vorwurf muss man dann auch den Teilnehmenden des Shitstorms machen, die ebenfalls haufenweise Israelfahnen als Solidaritätsbekundung in ihre Beiträge packten. Vermutlich hat man bei der Hotelführung nicht weiter nachgedacht und das übernommen. Okay, nicht vermutlich, man hat nicht nachgedacht.

Als die Nachrichtenplattformen die Meldung aufgriffen, kam es in den Kommentaren ebenfalls zu Solidaritätsbekundungen und Ablehnung der Vorgehensweise des Hotelmitarbeiters und der Geschäftsführung. Doch selbstverständlich gab es auch andere Stimmen. Von den Setzern des internationalen Deppenindikators, über Relatvierung und „glaube ich nicht“, bis hin zum Vorwurf einer PR-Aktion fand sich alles, was die deutsche Gesellschaft an Verharmlosung und Widerlichkeit zu bieten hat.

Fest steht allerdings, dass ein Hotelmitarbeiter einen Juden aufgefordert hat, seinen Davidstern wegzupacken, keiner der Umstehenden eingriff und, dass der Arbeitgeber auf allen Ebenen unprofessionell gearbeitet hat. Man hat zunächst versucht es auszusitzen, Antisemitismus totzuschweigen.

Dass der Umgang mit Antisemitismus auch anders geht, zeigt Union Berlin. Der Verein reagierte nach den antisemitischen Übergriffen durch einige Union-Fans, die sich bei der Begegnung gegen Maccabi Haifa ereigneten umgehend und entschuldigte sich. Inzwischen wurde einer der Täter ermittelt und der Verein reagierte so, wie es selbstverständlich sein sollte. Eigentlich traurig, dass man das noch betonen und lobend hervorheben muss.

Wir haben daher alle uns zur Verfügung stehenden Maßnahmen eingeleitet, um diese Person aus unseren Reihen zu entfernen. Alle uns vorliegenden Informationen haben wir darüber hinaus an das ermittelnde Landeskriminalamt übermittelt“, wird Union-Präsident Dirk Zingler in der Mitteilung zitiert.Der identifizierte Täter erhält zudem ein unbefristetes Hausverbot sowie ein Zutrittsverbot zu allen Veranstaltungen des Vereins. Union beantragt beim Deutschen Fußball Bund zudem ein bundesweites Stadionverbot.

Nun ist der DFB gefragt, schnell und unmissverständlich zu reagieren und ein bundesweites, unbefristetes Stadionverbot auszusprechen.

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Lesetipp: Bullshit Coaching

ein Lesetipp für alle, die NLP- und Happy-Coachings mindestens skeptisch gegenüber stehen.

Ein alter Bekannter aus Jugendtagen ist auf diesen NLP-Zug aufgesprungen und bietet Coaching für Coaches an. Bald mindestens drölfstellig per Mond verdienen, mindestens. Dieser Bekannte wurde früher in der Schule oft gemobbt und konnte sich nie richtig wehren. Trotzdem blieb er stets freundlich und ein lieber Kerl, der einem – so weiß ich es zumindest – nichts Böses kann. Daher kann ich es immer noch nicht glauben, dass er bei solch einer Abzockmasche mitmacht. Er glaubt wohl tatsächlich daran und, eine Sache die – bei aller Kritik und Vorbehalten, die ich gegenüber diesem ganzen Ding habe – hat es ihm anscheinend geholfen, mehr Selbstbewusstsein zu entwickeln und Rückschläge besser zu verarbeiten. Doch um ihn soll es hier gar nicht gehen.

Allerdings um einige Leute, die seine Postings kommentieren und in deren Liebe, überambitioniert-positiver Selbstdarstellung stets eine latente Aggressivität mitschwingt. Auch haben Sie oftmals überflüssige Ratschläge zuhauf. Einmal hatte sich besagter Bekannter einen Nerv eingeklemmt und fragte auf Facebook, was in solchen Fällen zu tun sei, besser Dehnübungen machen oder die schmerzende Stelle wärmen. Es hat vor gegensätzlichen Aussagen und esoterischer Beratung nur so gewimmelt. Bis hin zur Aussage, er solle sich fragen, ob es der Nerv wäre, der eingeklemmt sei oder er selbst. Eine andere Stimme meinte, dass Schmerz zum Leben gehört und man daraus lernen würde, auch bei Krankheit. Das hat mich nun doch gleichermaßen frustriert wie interessiert. Es hat dann fast sechs Stunden gedauert, bis der erste Kommentar auftauchte, der Substanz hatte: „Wenn die Stelle verhärtet ist, zunächst Wärme zuführen und anschließend Dehnübungen machen, zunächst vorsichtig und dann steigern. Wenn keine Verhärtung vorliegt, könne sofort – langsam – gedehnt werden. Die Aussage mit dem Schmerz aushalten, ist in Kreisen der Homöopathie und Esoterik ebenso gebräuchlich wie perfide, denn so etwas sagt man dort auch Krebskranken, während man empfiehlt Aprikosenkerne zu kauen und informiertes Wasser zu trinken. Wenn das alles nicht hilft, schleppt man eben ein schlechtes Karma durch die Weltgeschichte und glaubt nicht genug an die krebsheilende Wirkung zerkauter Kerne aus der Familie der Rosengewächse. Solche Stimmen sollen also lebensberatende positive Energie zurückgeben. Danke sehr.

Angeboten wird bei diesen Coaches alles. Von Lebensberatung, um die innere Mitte wiederzufinden, bis Chakren durchfeudeln. Es geht um die sog. „Happy Coaches“. Denen und ihren meistens hochpreisige Luftnummern – die mitunter auch genau das Gegenteil von dem was sie versprechen bewirken können- hat der Psychologe und Wissenschaftsjournalist Colin Goldner einen Artikel gewidmet.

Einfach das Zitat anklicken und ihr gelangt zum entsprechenden Blogeintrag.

Wie die Pilze sind sie im letzten Jahr aus dem Boden geschossen: sogenannte „Coaches“, genauer gesagt: „Happy Coaches“, „Soul Coaches“ oder auch „Spiritual Life Coaches“, die in Online-Angeboten sonder Zahl ihre zweifelhaften Dienste andienen.

Grundsätzlich, berufsspezifisch sind Coachings und Trainings ja nicht automatisch etwas Schlechtes und manchmal sogar notwendig. Ich erinnere mich da an eine Geschichte, man könnte sagen, ein Anekdötchen gar, das mir ein Bekannter erzählte. Dieser Bekannte hat sich, mit zwei weiteren Bekannten vor gut 20 Jahren selbstständig gemacht und hier im Ort, bzw. einem Dorf, das zu meiner Heimatstadt gehört, Teamsport angeboten. Es gab einen Klettergarten, Bogenschießen, Kanufahren etc. Eines der Angebote war eine Betreuung bzw. Kursangebote für Kinder, die unter ADHS leiden und ab und an kamen Gruppen von Teamleitern, Managern oder sonstigen Vorgesetzten aus diversen Unternehmen, um Gemeinschaftssport zu machen.

Eines Tages hatte er eine etwa 10-köpfige Gruppe aus der mittleren Management-Ebene eines bekannten deutschen, international agierenden Unternehmen. Der Bekannte erzählte mir, dass er die Sache am Liebsten bereits nach 15 Minuten hingeschmissen hätte, weil er bis dato noch nie eine Gruppe hat, die in ihrer Gesamtheit derartig lustlos, bei gleichzeitig hohem Arroganzlevel auftrat. Irgendwann war er des Redens müde und ging zum sportlich-aktiven Teil über. Die Leute wurden vor einen Graben gestellt, bekamen jeder ein Stück Seil in die Hand und sollten damit den Graben überwinden und auf die anderen Seite gelangen. Die gesamte Gruppe hat 15-20 Minuten getan und gemacht, bis sie schließlich die Lust verloren und sich ernsthafter Frust breitmachte.

Mein Bekannter hat das Ganze dann endgültig abgebrochen und dieser Gruppe von Managern dann gesagt, dass er in seinen gesamten sechs Jahren, in denen er diesen Job nun macht, noch nie so wenig Lust hatte, den Kurs bis zum Ende durchzuziehen und auch noch nie so wenig Feedback bekommen hätte. Ganz am Ende seiner Ansprache verriet er noch die Lösung des Rätsels mit dem Graben und den Seilen: diese Aufgabe kann nur gemeinschaftlich gelöst werden, indem das gesamte Team eine simple Seilbrücke baut und jeder einzelne seinen Teil dazu beisteuert. Selbst die Kinder, bei denen ADHS sehr ausgeprägt, die mindestens ebenso egoistisch veranlagt waren und ein entsprechend hohes Aggressionslevel mitbrachten, haben irgendwann das System erkannt und gemeinsam diese Brücke gebaut und gleichzeitig ihre Wutmomente zurückgefahren.

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Quer“denker“ bedeuten Terror

Der Mord in der Tankstelle in Idar-Oberstein ist ein paar Tage her und die Politik ist – mal wieder – überrascht und – natürlich – schwer erschüttert. Genauso überrascht und erschüttert man bei der Erstürmung der Reichstagtreppen und dem Gewaltpotential von weiten Teilen der Quer“denker“-Bewegung war.

Ich jedoch bin inzwischen nicht mehr überrascht, dass man in der Politik, immer wieder auf’s Neue überrascht und erschüttert ist, wenn es um Quer“denken“ geht. Eigentlich bin ich nur noch müde. Politker:innen und Sicherheitsbehörden zeigen, nicht erst seit Beginn der Pandemie, absolute Ignoranz und Versagen auf ganzer Linie, wenn es darum geht, das Gefahrenpotential das von einer ganzen Menge von Verschwörungsideologen ausgeht, zu erkennen.

Im Internet-Forum Sonnenstaatland und seinem Vorgänger, dem Anti-Reichsdeppen-Forum, haben Mitglieder schon vor mehr als zehn Jahren Mitarbeiter Behörden wie Finanzämtern oder Agenturen für Arbeit vor der Gefahr, die von einigen Reichsbürgern ausgeht, gewarnt. Diese Hinweise wurden in der Regel ignoriert oder auch müde belächelt. Das hat sich auch nicht groß geändert, als Christoph K., im April 2011 mit einer Axt in ein Berliner Jobcenter stürmt und Computer etc. zerlegte. Kurze Bestürzung und die Sache geriet wieder in Vergessenheit.

Damit sich Politik und Sicherheitsbehörden so etwas wie eine Ahnung von der hohen Gewaltbereitschaft vieler Reichsbürger, Selbstverwalter etc. bewusst wurden, mussten erst ein Polizeibeamter angeschossen und ein weiterer erschossen werden.

Ebenso verläuft es seit mindestens einem Jahr mit den Quer“denkern“. Im gesamten letzten Jahr, schon bevor diese Bewegung schrumpfte, war man jedes Mal auf’s Neue überrascht vom Aggressionspotential und der Gewaltbereitschaft. Egal, ob Stuttgart, Berlin etc., egal ob die zweite, dritte, vierte Demonstration, Fritz Kuhn und Frank Nopper in der Landeshauptstadt Baden-Württembergs oder Andreas Geisel in Berlin, immer wieder waren sie erstaunt und überrascht und phraselten, man müsse die Gefahr schon ein wenig ernst nehmen.

Nun ist ein Jahr vergangen, Quer“denken“ ist erheblich geschrumpft und hat sich – Überraschung – natürlich noch weiter radikalisiert.

Sonntag dann die kaltblütige Exekution in der Tankstelle in Idar-Oberstein. Von einem Mann, der Quer“denken“ mindestens nahesteht. Ein Mann, der mehrere Waffen besaß, jedoch keinen Waffenschein. Ein Mann, der unter Beobachtung des Verfassungsschutzes stand. Ein Mann, der – laut eigener Aussage „ein Zeichen setzen“ wollte. Ein Mann, der ein Terrorist ist.

Zumindest ist das in meinen Augen so. Das mag juristisch vielleicht strittig sein, aber weder bin ich ein Jurist, noch zu journalistischer Objektivität verpflichtet.

Die Tat geschah – in meinen Augen – nicht aus einem Affekt heraus. Der Mann verließ schließlich die Tankstelle, möglicherweise verägert, ging zurück nach Hause und kehrte schließlich eine Stunde später wieder zur Tankstelle zurück und wartete dann, bis er noch einmal dazu aufgefordert wurde, seine Maske, eine dämliche kleine Maske, aufzusetzen, um einen jungen Menschen hinzurichten und so „ein Zeichen zu setzen“. Das ist nichts anderes als Terror.

Dafür wurde und wird er auf Telegram ausgiebig gefeiert und in den Kommentarspalten auf Facebook wird diese Exekution relativiert. „Also, ich verurteile den Mord, aber…“. Diese Argumentation ist genauso zu bewerten wie „Ich bin ja kein Nazi, aber…“, „Auf keinen Fall bin ich Antisemit, aber…“, „Ich verurteile eigentlich Terror, aber die Hamas…“ Nein, nein und nein, es gibt in solchen Fällen kein aber. Wer sagt, dass er den Terror der Hamas zwar eigentlich ablehnt, aber irgendwie auch versteht, ist 1. sehr wahrscheinlich extrem ungebildet, was den Nahost-Konflikt angeht und zweitens ein Terroristenversteher, ein Terrorkuschler. Menschen, die diesen Mord gar feiern, sind in meinen Augen potentielle Terroristen.

Die Teile der Politik, die mittel – und unmittelbar mit der Inneren Sicherheit zu tun haben oder an sonstigen entscheidenden Stellen sitzen und der Sicherheitsapparat dieses Landes tragen an der Radikalisierung und an diesem Mord eine Mitverantwortung. In meinen Augen ist das sogar ein Grund für einen sofortigen Rücktritt. Sollen diese Menschen wieder in ihren ursprünglichen Jobs arbeiten. Das minimiert zumindest zukünftigen Schaden, den diese Menschen der Demokratie zufügen können. So verwundert es auch nicht, dass das Bundesinnenministerium diesen terroristischen Mord als Einzelfall wertet.

Mitglieder des Bundesinnenministeriums beim Bearbeiten der Akte Quer“denker“.

Erstaunt hat mich ein bisschen das Verhalten der Bild. Das Blatt, das bei anderen Terrorakten und Amokläufen für gut sieben Tage Stoff hat, um jeden Tag mindestens zwei Meldungen rauszuhauen, angefangen von der detailreichen Beschreibung der Tat – je blutiger desto besser (mit Video), über das soziale Umfeld des Täters bis hin zur Lieblingsfarbe der Unterwäsche seiner Freundin, die Bild also, hat diese Tat nach drei Tagen für erledigt erklärt und hüllt sich in Schweigen. Ob es daran liegt, dass Mario N. auf Twitter einer Menge Accounts gefolgt ist, die man politisch von rechtskonservativ bis rechtsradikal, von Julian Reichelt bis zum Faschisten Björn Höcke gefolgt ist?

Und Zuguterletzt gibt es noch den Kanzlerkandidaten, der immer noch mit Quer“denkern“ reden und ihre Sorgen und Nöte ernst nehmen möchte. Das Einzige was dem Mann, dessen Kanzlerschaft am Sonntag mit allen demokratischen Mitteln verhindert werden muss, lautet „„Wir verurteilen diese Aggression und fordern jeden auf, das zu lassen.

Wozu eigentlich die Sorgen und Nöte dieser Menschen ernst nehmen? Das macht man bei den Taliban, der Hamas und dem NSU, aus nachvllziehbaren Gründen, auch nicht. Dazu gibt es keinen Grund. Mit Terroristen und Terrorkuschlern verhandelt man nicht. Nichts anderes sind die Teile der Quer“denker“, die diese Tat relativieren oder gar gutheißen, Terrorkuschler und potentielle Terroristen.

Edit: auch an diesem Zeitungsbericht (leider hinter einer Paywall), erkennt man gut, wie gefährlich Impfgegner aus dem Quer“denken“-Umfeld sind. Kurz vorab, es ist vollkommen okay, wenn man sich selbst nicht impfen lassen möchte. Ich selbst finde es – so lange keine medizinischen Gründe dagegen sprechen – zwar nicht in Ordnung, weil es auch etwas mit sozialer Verantwortung und Empathie zu tun hat, aber es ist immer noch die persönliche Entscheidung und daran sollte auch nicht gerüttelt werden. Die Entscheidungsfreiheit gilt für alle. In den Augen dieser Quer“denker“ jedoch nicht für Impfwillige.

Impfgegner blockieren Impfbus am Eugen-Bolz-Gymnasium

Ein Polizeiaufgebot musste am Donnerstagmittag den Weg zum EBG-Schulhof freimachen. Zu tumultartigen Szenen kam es am heutigen Donnerstag um die Mittagszeit an der Einfahrt zum Eugen-Bolz-Gymnasium. Eine rund zehnköpfige Protestgruppe blockierte den Impfbus des Landkreises, der auf den Schulhof rollen wollte, damit sich Schülerinnen und Schüler dort gegen Corona impfen lassen konnten. Polizisten forderten die Demonstranten auf, den Weg frei zu machen, erfolglos. In der Folge kam es zu Rangeleien und Handgreiflichkeiten, auch gegenüber Polizisten, die am Ende einen Impfgegner zu Boden brachten und in Handschellen legten. Von anderen Impfgegner wurden Personalien aufgenommen.

Das alles geschah unter den Augen zahlreicher Schüler, die sich nach der sechsten Unterrichtsstunde auf den Heimweg machen wollten oder auf den Impfbus warteten. Die Impfgegner sprachen die (minderjährigen) Schüler an und argumentierten gegen die Impfung. Die meisten verfolgten das Geschehen interessiert und gelassen. „Das bleibt doch jedem selbst überlassen, ob er sich impfen lassen will oder nicht“, sagte ein Unterstufenschüler dem TAGBLATT. Eine Gruppe von Elftklässlern zeigte sich irritiert über das „aggressive Auftreten“ der Impfgegner. Dass man sich auf dem Schulhof impfen lassen könne, finde er prima, sagte einer aus der Gruppe. Ein anderer hatte Mitleid mit den Kindern der Impfgegner. „Das muss denen doch peinlich sein.

“Levi Ochoa Waldheim, stellvertretender Vorsitzender der Jugendvertretung (und als EBG-Schüler zufällig vor Ort) versuchte die Impfgegner davon zu überzeugen, dass sie die Schüler und ihre Eltern doch selbst entscheiden lassen sollten. Er kritisierte die Protestaktion, insbesondere, dass Schüler angegangen würden, die sich impfen lassen wollten. Die Impfaktion sei fantastisch. „Der Bus sollte so oft kommen, bis jeder geimpft ist, der sich impfen lassen will.

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Die Toten schauen zu

heißt der von Gerald Kersh geschriebene Roman, der vom Massaker von Lidice, das im Buch Dudicka genannt wird, handelt. Erschienen ist er bei Pulpmaster, Berlin. Ein Verlag der sich, wie es der Name schon andeutet, Pulp, Hardboiled und Crime Noir widmet.

Cover des Romans. Wie alle Buchumschläge von Pulpmaster, wurde auch dieses Werk vom Künstler 4000 gezaubert.

Es ist erstaunlich, dass Kersh seinen Roman Ende 1942 fertigstellte und er 1943 veröffentlicht wurde. Lidice wurde vom 9. auf den 10. Juni, als Racheaktion auf das Attentat auf Heydrich, komplett vernichtet. Alle männlichen Einwohner ab 15 Jahren (im Roman 17), wurden erschossen. Vor Gräben, die sie selbst ausheben mussten. Die Frauen wurden in das KZ Ravensbrück deportiert. Die Kinder wurden gesondert behandelt. Einen Teil, der als „arisierbar“ erachtet wurde, gab man in die Obhut deutscher Familien. Die, die als lebensunwert erachtet wurden, starben in KZs und Vernichtungslagern. Kersh zeichnet ein klares Bild des faschistoiden und rassistischen Geistes, der in den Köpfen der Täter herrschte. Nein, die Deutschen kommen da allesamt nicht gut weg. Alles ist der Ideologie untergeordnet. Alles folgt bereitwillig dieser Ideologie.Da ist Heinz Horner, unverkennbar Heinrich Himmler, mit Nickelbrille und leiser Stimme, angetrieben, die Ideologie des NS-Staates bedingungslos durchzusetzen. Seinem Verständnis nach durchaus logisch. Und dann ist da ein Hauptmann mit Aufstiegsambitionen, dessen Aufgabe es ist, alles Metallische des Dorfes zu sichern. Und er sichert. Vom bleiernen Kirchendach, über Landeirtschaftsgerät, bis in zu Türklinken und den INRI-Inschriften über den Kreuzen in jeder Wohnung des Dorfes.

Ich liebe Hardboiled, Pulp und Noir. Ich mag die fiktiven Situationen und Fragen der Entscheidung, die in diesen Romanen gestellt werden und die inzwischen glücklicherweise nicht immer (immer noch viel zu selten) dem fragwürdigen Männlichkeitsbild von Chandler und Hammett folgen. Dieser Roman erzählt von echter Gewalt, von Menschenverachtung. Der Satz „Der Slawe ist ein Sklave“, taucht im Zuge der Handlung mehrfach auf. Ich habe es selten gehabt, dass ich gleichzeitig derart angezogen und angewidert war, weiterlesen wollte, obwohl ich genau wusste, dass es keine Hoffnung gibt.

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Bundeskanzlerkandidat

Armin Laschet demontiert sich zunehmend entschlossen und zielgerichtet selbst und schickt die CDU in einem solchen Tempo auf Talfahrt, da staunt sogar Andrea Nahles.

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Der internationale Deppenindikator

…das infantile Lachtränensmiley prangt auf Facebook momentan wieder unter unzähligen Artikeln über Afghanistan. Es geht hier nicht um die Berichte über Taliban, die einen Freizeit-Park in Kabul geentert haben und sich dort auf dem Pferdchenkarussell oder im Autoscooter vergnügen. Geschenkt, solche Szenen werden wohl ziemlich viele von uns, die wir nicht direkt betroffen sind, zum schmunzeln bringen.

Doch wenn es darum geht, dass in Fahrwerkschächten eines Evakuierungsflugzeugs menschliche Überreste gefunden wurden, darüber berichtet wird, dass Flüchtende Afghan:innen nicht zum Flughafen durchgelassen werden, dann muss man sich schon fragen, was bei diesen Menschen schiefläuft und/oder irgendwann mal schiefgelaufen ist. 200 Jahre Aufklärung, 200 Jahre Herder, Kant und Voltaire* scheinen diese Experten noch nicht einmal gestreift zu haben. Entsprechend lesen sich dann auch viele Kommentare – ja, ich habe den Fehler gemacht, mir tatsächlich einige Kommentare zu lesen und habe mich triggern lassen.

Inzwischen ist wohl klar, dass es sich bei den Überresten um Zaki Anwari handelt. Einen 19-jährigen Fußballspieler der afghanischen Jugend-Nationalmannschaft. Wie verzweifelt muss ein Mensch sein, dass er sich an das Fahrwerk ein startendes Flugzeugs handelt? Ob es sich bei Anwari tatsächlich um jenen Menschen handelt, den man auf diversen Fotos abstürzen sieht, weiß ich nicht genau. Dazu existieren unteschiedliche Pressemeldungen. Ich habe mich dazu entschlossen, den Teil des Bildes, auf dem man einen Menschen von der Maschine wegstürzen sieht, abzuschneiden. Ich denke man sich denken, wie so etwas ausschaut und einige haben vielleicht noch das betreffende Bild von 911 vor Augen, was vollends genügen dürfte. Zudem mag ich keinen Katastrophenporno. Dafür ist das Boulevard zuständig.

Zaki Anwari, hoffnungsvolles Talent der afghanischen Jugend-Nationalmannschaft, starb als er sich an das Fahrwerk einer startenden Transportmaschine der US-Airforce klammerte.

Doch wie fernab jeglicher Zivilisiertheit, sind die wohlstandsverwahrlosten Tastentaliban, die unter Zeitungsartikeln mit besagtem internationalen Deppenindikator reagieren?

Auf Facebook lässt sich jedoch hervorragend beobachten, welche Leserschaft die jeweiligen Zeitungen anziehen. Bei Tagesspiegel, taz, FR, SZ und einigen anderen fanden sich – soweit ich das feststellen konnte – keine bis wenige dieser infantilen Lachtränensmileys. Beim Handelsblatt waren es ein paar und bei Bild und Focus, steigt diese Zahl sprunghaft an. Beim unten stehenden Screenshot, der etwa vier Stunden alt ist, beträgt der Anteil derer, die so etwas urlustig finden 15,9%. Da kann man sich schon fragen, was bei diesen Menschen während der Sozialisation schiefgelaufen ist.

Eine ganz normale Reaktion der FB-Leserschaft der Bildzeitung, wenn es um verstorbene Flüchtlinge geht.

Auf direkte Menschenverachtung, braucht man da selbstverständlich nicht einmal zu antworten, es ist sowieso sinnlos. Doch wie schnell ein Anteil derer, die Anfang Juni noch Bundestrainer und schon kurz darauf wieder Virologen und Epidemiologen waren, auf einmal Diplom-Ethnologen sind, das erstaunt dann doch.

Ich bin bestimmt weit davon entfernt, ein Afghanistankenner zu sein, aber ein paar Eckdaten, ein Grundwissen über die Geschichte Afghanistans – wenigstens seit 2001 – und die Gesellschaftsstrukturen dort, das sollte man schon mitbringen. Zeit genug dafür hatte man. Dann würden sich viele vielleicht ihre Kommentare sparen oder wenigstens anders formulieren – zumindest die, an denen die Aufklärung nicht ganz spurlos vorbeigegangen ist. Doch wichtiger als die Frage, warum es DIE Afghanen nicht gibt – und damit meine ich nicht das Individuum – ist anscheinend, warum die schon wieder alle neue Handys und Markenklamotten bekommen. Die Antwort ist übrigens ganz einfach: das bezahlen nicht alle Deutschen mit ihren Steuergeldern, sondern nur die, die sich in den Kommentarspalten über solche Dinge aufregen – das Finanzamt schaut da ganz genau hin und faxt die Liste dann an Frau Merkel persönlich.

Wenn man Berichte von heute liest, dann finden sich auch Meldungen, dass in Afghanistan die Menschen auf die Straße gehen, um gegen die Taliban zu demonstrieren. Sie begeben sich dabei in Lebensgefahr. Das dürfen sich die Quer“denker“ gerne mal anschauen, wenn sie sich – wieder einmal- ganz schrecklich von der Merkel Diktatur-GmbH e.V. unterdrückt fühlen.

Frauen demonstrieren in Kabul gegen die Taliban

Apropos Quer“denker“: einzelne Strategen waren in Telegramgruppen ganz happy, dass die Taliban (angeblich) mit als erste Aktion ein Impfverbot verhängt haben. „Ach, ich dachte das sind die Bösen“!, lautete bspw. eine Äusserung. Eigentlich darf man es gar nicht kommentieren, sonst droht sich der Magen nach oben zu stülpen und das Gehirn zu erwürgen.

Das passiert auch fast immer, wenn ich die Äusserungen von Politiker:innen der AfD zur aktuellen Situation lese. Stephan „Zugklo“ Brandner, Sven Tritschler und Gunnar Norbert Lindemann taten sich dabei als nicht überraschende, aber zuverlässig verkommene Widerlinge hervor. Ich zitiere sie an dieser Stelle nicht und setze auch keine Links. Wer es wissen möchte, der/dem ist es bestimmt bereits in die Timeline gegöbelt worden und der Rest kann ja danach googeln. Ich glaube, dass man bei der AfD irgendwie traurig ist, dass es sich bei den Taliban und dem IS ausgerechnet um radikale Muslime handelt, liegt man doch, was das Frauenbild, die Verachtung für Demokratie und Bewunderung für klare Befehlsstrukturen und -hierarchien angeht, ideologisch auf einer Wellenlänge. Die Islamisten sind also ganz töfte (in ihren Ländern), wenn nur dieser blöde Islam nicht wäre.

Doch nicht nur die braune Fraktion und die anderen Menschenfeinde rund um den Verdachtsfall bringen mir den Puls hoch. Momentan bekomme ich tatsächlich Schnappatmung, wenn ich Heiko Maas, Armin Laschet und Co. in die Mikrophone salbadern höre. Laschet fischt am rechten Rand und versucht dort Stimmen abzugreifen, indem er sagt, dass sich 2015 nicht wiederholen dürfe. Dazu möchte er vor Ort helfen. Das ist ebenso löblich wie verlogen, weil ein bisschen zu spät. Bei seinem heutigen Wahlkampfauftritt in Osnabrück sagte Laschet:

„Ich werde als Bundeskanzler eine Garantie abgeben, dass jeder, der sich auf diesen Namenslisten befindet, der sich für Deutschland engagiert hat, in Deutschland Aufnahme findet.“

Da kann man nur noch mit dem Kopf schütteln. Was für ein mieses und perfides Arschloch Armin Laschet doch ist. Das ist keine Beleidigung, sondern eine nüchterne und objektive Einordnung der momentanen Sachlage. Er allein hat es in der Hand, das zu ändern. Ich frage mich trotzdem, ob er überhaupt zugehört hat, wenn die jeweiligen Updates zur aktuellen Lage an sein Ohr drangen und ob seine cerebrale Schaltzentrale diese Informationen logisch und realitätsbezogen einordnen konnte.

Am 16.08., vor zwei Tagen, interviewte Mariette Slomka einen ehemaligen(?) Hauptmann der Bundeswehr, Markus Grotian, der das Patenschaftswerk afghanische Ortskräfte gegründet hat. Im Interview ging es um das – man kann es nicht anders bezeichnen – Totalversagen oder Totalverweigerung der Bundesregierung in Bezug auf Asyl für die Ortskräfte. Der Mann schwankte zwischen Tränen und Mir-platzt-gleich-der-Arsch ob der Tatenlosigkeit der Regierung. Man hat wohl noch nicht einmal dabei unterstützt, dass die Helfer:innen zumindest von Mazar-e Sharif usw. nach Kabul kommen. Die Menschen sind in weiten Teilen dort geblieben wo sie sind, wenn sie noch sind und nicht schon lange von den Taliban grausam hingerichtet wurden. In Kabul selbst in an Hilfe inzwischen auch nicht mehr zu denken. Zum Flughafen kommen nur noch Ausländer. Es mag den ein oder anderen Talib, der sich mit einem Bündel Dollar oder Euro umstimmen lassen wird, aber der Großteil der Ortskräfte wurde einfach dem sicheren Tod überlassen. Man gibt einen Fuck auf das Leben dieser Menschen. Im Übrigen gelten die Ausreiseanträge nur und ausschließlich für die Helfer:innen, die direkt für BW usw. gearbeitet haben. Alle die, die bei einem Subunternehmen angestellt waren, sind von dieser Regelung ausgeschlossen. Daher sollten sich Maas, Laschet, Karrenbauer etc. schämen, wenn sie vor die Kameras treten und ihre verlogenen Statements in den Äther kübeln. Dann besser gar nichts sagen, das ist ehrlicher.

Heute vor vier Wochen, auf den Tag genau, hat die US-Armee übrigens 700 ihrer Dolmetscher und 1.800 Familienangehörige, nach Fort Lee, Virginia ausgeflogen. Da hat man im Auswärtigen Amt wahrscheinlich noch die Druckvorlage für die Anträge der Antragsformulare gesucht.

Es ist schlichtweg frustrierend und schmerzhaft und man ist im Grunde auch nur jemand, der zuhause im mollig Warmen vor dem Computer sitzt und den Kopf aufreisst. Ein trauriger und erbärmlicher Tastensoldat.

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Waldbröler:innen geraten ins Visier der extrem rechten QAnon-Sekte

In den USA, genauer gesagt in Kalifornien, hat ein Vater, der QAnon-Anhänger ist, seine eigenen Kinder nach Mexiko entführt und getötet, weil er in dem festen Glauben war, die Mutter hätte ihre „Schlangen-DNA“ (Reptiloiden)  an die Kinder vererbt.

Auch hier in Deutschland scheint es für den Wahn dieser antisemitischen Sekte immer weniger Grenzen zu geben. Man kann nur hoffen, dass die Strafverfolgungsbehörden hier mal etwas mehr Einsatzwillen und vor allem Tempo an den Tag legen, als es bspw. bei Hildmann und vielen anderen Nazis der Fall war.

Antifaschistische Recherche Oberberg (AROB)

Die extrem rechte QAnon-Sekte hat auch viele Anhänger:innen im Oberbergischen, wie jetzt eine AROB-Recherche ergeben hat. Die QAnon-Verschwörungsideologie basiert auf der wahnhaften Überzeugung, dass eine „zionistische“/“satanische“ weltweite Elite Kinder entführe, foltere und ermorde, um aus dem Blut ein Verjüngungsserum zu gewinnen. Gedeckt werde diese Elite von einem „Deep State“, gegen den abtrünnige Teile des US-Militär kämpfen.

Nun sind einige Waldbröler:innen ohne eigenes Zutun und Wissen in das Visier der QAnon-Gläubigen geraten. Auslöser hierfür war ein Posting in einer Diskussionsgruppe des Telegram-Messengers. Diese Telegram-Gruppe hat rund 50.000 Abonnent:innen, darunter offenkundig auch zahlreiche Personen aus dem Oberbergischen.

Es beginnt am 9. August mit der Veröffentlichung von Fotos u.a. von einer Hofauffahrt eines Privathauses in einem Waldbröler Ortsteil. Zu sehen ist u.a. ein Bobbycar, das an einem Zaun hängt, und ein Schild mit dem Gesicht eines Pandabären. In der wirren QAnon-Vorstellungswelt sind u.a. dies Symbole bzw. Indizien für „Pädokriminalität“, in der Telegram-Gruppe wird…

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Eine Schande für die Demokratie

und anders kann und darf man es nicht bezeichnen, ist nicht nur das Verhalten der CDU Thüringen, sondern die gesamte hufeisenbiegende CDU Thüringen selbst.

Stellt sich nur die Frage, ob Nazikuscher oder Nazikuschler.

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Unvergessene Filmmomente (1)

Die großartige Irm Hermann in „Pappa ante portas“ und der nicht minder grandiose Robert de Niro in „Angel Heart“.
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