Üüüberraschung

I bims, de Querdenker.

Am Wochenende, genauer gesagt am 20. März sammelten sich die Quer“denker“ in verschiedenen Städten des Landes. Hauptziel war dieses Mal die Stadt Kassel. Dafür wurde bereits seit Monaten kräftig Werbung gemacht. Angemeldet war die Veranstaltung dieses Mal für etwa 50.000 Teilnehmer. Zunächst seitens der Stadt verboten, wurde dieser Entscheid später vom VG Kassel wieder.

In der Stellungnahme des Verwaltungsgerichts Kassel heißt es:

Derzeit bestehe keine akute Gefahr für eine Überforderung des Gesundheitssystems. Die Inzidenz bewege sich sowohl bundesweit als auch in Hessen und Kassel noch unter dem Wert von 100. Die Zahl der Verstorbenen sei massiv zurückgegangen. Dabei berücksichtigte das Gericht, dass die Verbote sich auch an Personen richteten, von denen weder objektiv noch dem Anschein nach eine Gefahr oder der tragfähige Verdacht einer Gefahrverursachung im Sinne einer Verbreitung für das Corona-Virus ausgehe. […] Überdies sei zu beachten, dass durch andere Maßnahmen (Abstandhalten/Maskentragen etc.) die Infektionsgefahr soweit reduziert werden könne, dass sich ein Totalverbot als unverhältnismäßig erweise. So seien mildere Maßnahmen als ein Verbot möglich. Zum Beispiel könnten Auflagen zum Tragen von Mund-Nasen-Bedeckungen oder das Einhalten von Mindestabständen erfolgen.

Richtig gelesen. Dies ist keine Übung. Dies ist kein Scherz. Beim VG Kassel lacht man dem derzeitigen Stand der Forschung und Wissenschaft höhnisch ins Gesicht. Man gibt – genau wie Quer“denker“ – einen feuchten Dreck auf das, was alle am Virus Forschenden bisher mühsam erarbeitet haben.

Die Entscheider dieses Beschlusses urinieren auf die Gräber derer, die bisher an diesem Virus sprichwörtlich verreckt sind und macht sich über deren trauernde Angehörige lustig. Sie zeigen allen Menschen, die die Infektion überlebt haben, jedoch bis heute (niemand weiß wie lange) an den Langzeitfolgen leiden, den Mittelfinger.

Meiner Meinung nach haben Juristen, die in diesen Zeiten derartige Entscheidungen fällen müsse, eine gewisse Verantwortung. In diesem Fall haben sie mutwillig, wohlmöglich auf Kosten von Menschenleben, größtmöglich versagt und müssten eigentlich entweder umgehend von ihren Aufgaben entbunden werden oder sollen in Zukunft nur noch bei Nachbarschaftsstreitigkeiten, Autounfällen etc. juristische Entscheidungen treffen dürfen.

Der Hessische Verwaltungsgerichtshof erließ später noch Auflagen, die die Teilnehmerzahl auf 6.000 Menschen beschränkte, einen Demonstrationszug durch die Innenstadt explizit verbot und lediglich zwei Kundgebungsorte, auf dem Messegeländer Schwanenwiese und dem angrenzenden Platz der Deutschen Einheit zuließ. Eine Makulatur, die das Papier nicht wert ist, auf dem es geschrieben wurde.

Die Quer“denker“ ließen sich davon auch gar nicht erst aus dem Konzept bringen. Im Netz wurde dazu aufgerufen, einfach in der Stadt spazieren zu gehen, das könne niemand verbieten. Es war bereits im Vorfeld abzusehen, dass weitaus mehr Teilnehmer, als die erlaubten 6.000 anreisen würden. Das hat die Exekutive unversehens auf dem falschen Fuß erwischt.

Die Polizei in Kassel war von der hohen Zahl an Teilnehmern überrascht. „Mit dieser Anzahl von 20.000 Teilnehmern haben wir nicht gerechnet“, sagte Polizeisprecher Dirk Bartoldus am Samstagabend dem hr. Quelle

Nanu, solche Worte kennt man doch. Bei beinahe allen Veranstaltungen im letzten Jahr, waren Polizei und Stadtobere überrascht. Bei keiner der nachfolgenden Demonstrationen und Kundgebungen hat man aus dem Erlebten gelernt oder wollte es schlichtweg nicht. Langsam könnte man glauben, dies geschieht mit Absicht. Man könnte auch darüber lachen, wenn es hier nicht um Gesundheit und wirtschaftliches Fortbestehen gehen würde.

Man konnte beispielsweise solche drolligen Formulierungen lesen:

Die Polizeiführung hat mit verschiedenen Beratern ständig, intensiv und jederzeit über die Möglichkeiten und Konsequenzen des polizeilichen Einschreitens diskutiert und hier die Entscheidung so gefällt, dass die polizeilichen Maßnahmen und der temporäre Verzicht auf Zwangs- und Verfolgungsmaßnahmen in der Rechtsgüterabwägung notwendig und angemessen waren. Die Teilnehmer kamen augenscheinlich überwiegend aus dem bürgerlichen Lager und zeigten insgesamt eher keine Tendenz zu gewalttätigen Aktionen. Einzelne gezeigte Symboliken, wie gelbe Sterne, wurden dokumentiert. Verstöße im weiteren Verlauf geprüft.

Kurz: „LMAA, Bedenkenträger.“ Wenn das bürgerlicher Lager gemeinsam mit Antisemiten, Rassisten und weiteren Demokratieverächtern marschiert, wäre das für mich, als Exekutive, ja eher ein Warnsignal, aber was weiß ich schon?

Wie bei jeder Quer“denker“-Versammlung versuchte sich die also Polizei auch hier fleissig in Deeskalation Arbeitsverweigerung. Man machte sich erst gar nicht die Mühe, die Leute dazu aufzufordern, sich Masken aufzusetzen und Abstände einzuhalten.

Daher hieß es aus den Reihen der Polizei im Nachhinein, man hätte die „Verstöße aus taktischen Gründen zugelassen“. (siehe zwei Absätze zuvor). Man lässt also aus Gründen der Taktik zu, dass sich nach der Veranstaltung andere Menschen mit einem Virus infizieren könnten, das nun einmal überdurchschnittlich hoch übertragbar ist. Eine tolle Strategie. Wow, Bob, wow.

Stattdessen machte man den Quer“denkern“ die Straße frei. Gegenprotest wurde teilweise brutal aus dem Weg geräumt. Hier die Einsatzkräfte der Polizei Thüringen in Aktion, für die sie aus den Reihen der Querdenker Applaus erhielt.

Ich möchte angesichts des gestrigen Tages in Kassel in der Tat kein Polizist sein. Von beiden Seiten bepöbelt werden, ist bestimmt kein Spaß. Doch einer verbotenen Demo mit solchen Mitteln den Weg freiräumen, sollte eine dienstrechtliche Untersuchung zufolge haben.

Wie bei den letzten Demonstrationen der Quer“denker“ im Jahre 2020, waren sich einige „Eltern“ nicht zu schäbig dazu, ihre KInder mit auf die Demo zu schleifen und sich mit ihnen dort hinzubegeben, „wo es abgeht“. Auf das Wohl der eigenen Kinder, hat man dabei einen feuchten Dreck gegeben und sie kalt und berechnend Angst und Erschrecken ausgesetzt. Mit dem einzigen Ziel, die entsprechenden Bilder zu erzeugen.

Solche Aufnahmen kennt man ansonsten nur aus dem Gazastrip, wenn mal wieder an der Grenze zu Israel „demonstriert“ wird. Das reinste Pallywood. Hamas und Sympathisanten lassen grüßen.

Einige Quer“denker“ sind selbst auch keine Kinder von Traurigkeit und gingen auf Gegendemonstranten los. So ist es für diese Leute auch kein Problem, Frauen in den Bauch zu treten.

Die üblichen Holocaustrelativierungen kennt man ja schon. Ich werde an dieser Stelle darauf verzichten, sie noch einmal zu zeigen. Gelbe „Ungeimpft-Sterne“, Vergleiche mit Anne Franke usw. waren auch hier wieder zu sehen. Wer sich dennoch einen Überlick darüber verschaffen möchte, wer so alles in Kassel zugegen war wird hier fündig. (via Adornochrom auf FB) Unter anderem war auch der Neonazi Sven Liebich vor Ort. Das ist der, der über seinen Shop zig gelbe „Ungeimpft-Sterne“ verkauft. Er wurde im Bericht der Tagesschau zu Kassel gezeigt. Ohne, dass man diese Tatsache einordnete. Vielleicht lädt die ARD ihn ja demnächst zu „Hart aber fair“ ein. Ein weiterer trauriger Höhepunkt eine Dame, die sich ein Transparent umgehängt hatte. Darauf „Geschichte wiederholt sich“ und darunter ein Foto des Buches „Das Tagebuch der Anne Frank“. Klar wer erinnert sich nicht an den Bericht in der Wochenschau aus dem März 1944, in der Anne Frank – fröhlich lachend und Selfie knippsend – auf einer Demonstration gegen die Naziherrschaft zu sehen war?

Warum schafft es eigentlich kein Bundesland und keine Stadt ausser München, diese Schäbigkeiten auf den Demos zu untersagen. Bei Zuwiderhandlung Ordnungsgeld und den betreffenden Menschen eine weitere Teilnahme zu untersagen. Entweder per Platzverweis für die gesamte Stadt oder bis zum Ende der Veranstaltung in Gewahrsam nehmen. Das ist ohne Weiteres möglich, man muss es nur wollen.

Diese Relativierungen werden in der vollen Absicht betrieben, um Antisemitismus voranzutreiben, Unsägliches wieder sagbar zu machen und in Richtung eines „normalen Diskurses“ zu verschieben. Man kann es nicht oft genug wiederholen: wenn es das ist, was Steinmeier und Maas sich unter einem „Gegen jeden Antisemitismus“ verstehen, dann hätten sie besser ihren Mund gehalten.

Auf einer der Bühnen bei der „Abschlusskundgebung“, wurden die Impfungen dieses Mal mit dem NS-Euthanasieprogramm verglichen. Eine erneute niedere Stufe schäbigster Relatvierungen von Naziverbrechen. Die Masse vor der Bühne zollte auch diesen Worten Applaus.

Da erwische ich mich glatt bei dem Wunsch 730 Seiten Ernst Klee in die linke und einen naturwissenschaftlichen Wälzer in die rechte Hand zu nehmen, einen Quer“denker“kopf in die Mitte packen und dann Standing Ovation bis zum Umfallen. Ich würde aus diesen Leuten am Liebsten sieben Sorten Scheiße heraus prügeln, wenn es nur nicht so schrecklich reaktionär wäre.

Meine ich die letzten Sätze zu 100% ernst? Nein, natürlich nicht. Selbstverständlich ist sind nicht alle, die dort mitmarschieren Rassisten, Antisemiten und/oder Demokratiefeinde. Einige werden vllt. von Unsicherheiten und Ängsten getrieben, die ein Fall für die Psychologie sind und, – teilweise – wohlmöglich psychotherapeutisch behandelt werden sollten/müssten. Nichtsdestorotz marschiert ein Großteil der angeblichen Nichtantisemiten usw. wissentlich und willentlich bei jenen mit, die eine ganz genau Vorstellung von dem haben, was sie sagen und tun. Sie haben eine feste Ideologie verinnerlicht, leben diese und möchten möglichst viele Menschen mitziehen und formen.

Immerhin wird in der heutigen „Lügenpresse“ fleissig über den gestrigen Tagen und der Kritik an der Strategie der Exekutive berichtet.

Doch selbstverständlich haben auch die Quer“denker“ Nachrichtenportale, die ihnen zur Seite stehen. Alternative Medien, wie es euphemistisch heißt. Compact, Rubikon etc.

In einem fiktiven Artikel des querfrontaffinen Nordkurier, könnten anlässlich dieser Veranstaltung folgende Worte stehen:

Etwa 20.000 Querdenker und unzählige Polizeibeamte, standen einträchtig vor der Bühne und lauschten andächtig der Relativierung von NS-Verbrechen, die bei den Quer“denkern“ inzwischen zum guten Ton und zu den Höhepunkten der feurig-zünftigen Reden gehört.

Nach dieser Veranstaltung verteilten sich ca. 20.000 wissenschaftsphimosige Sozialimpotenzler, deren einzige Intention die Relatvierung von Holocaust und weiteren NS-Verbrechen zu sein scheint, über den Großteil dieses Landes. Sie werden mit dafür sorgen, dass wir alle noch lange etwas von einem neuen Lockdown, einer dritten und vierten Welle und Unternehmensinsolvenzen haben werden. Man freut sich schon auf die nächsten Veranstaltungen und es braucht keine hellseherischen Fähigkeiten, dass eine vollkommen überforderte Exekutive wieder einmal überrascht sein wird.

Dass es auch anders geht, zeigte heute die Polizei Dortmund. Dort wurde heute eine geplnate Veranstaltung von Impfgegner kurzerhand durch die Polizei, die in NRW auch als Versammlungsbehörde fungiert, verboten. In einem Artikel der Ruhrbarone heißt es u.a.:

Die Ereignisse der letzten Tage haben jedoch Unzuverlässigkeiten des Anmelders offengelegt. Die Unzuverlässigkeit wird unter anderem mit dem gewaltsamen Vorgehen gegen Gegendemonstranten und Polizeibeamte begründet. Die aktuellen Ereignisse in Kassel auch in Verbindung mit vorherigen Querdenken-Demos in Dresden und Berlin lassen darauf schließen, dass eine friedliche Meinungsäußerung nicht das Ziel der Bewegung ist. In Zeiten von exponentiell ansteigenden Infektionszahlen wird die Coronaschutz-Verordnung vorsätzlich nicht eingehalten. Gerade bei Versammlungen mit vielen Menschen ist es jedoch wichtig, dass in Zeiten der Pandemie die aufgestellten Hygieneregeln durch alle Teilnehmer/-innen beachtet werden.

Man kann nur hoffen, dass künftige Veranstaltungen im Hinblick auf die aktuelle Lage untersagt werden. Die Versammlungsfreiheit ist ein hohes Gut und sollte selbstverständlich geschützt werden. Die Gesundheit des Individuums jedoch, steht in meinen Augen höher und bei der momentanen Situation, zu der noch die desaströse Impfgeschwindigkeit hinzukommt, ist es in meinen Augen überhaupt keine Frage, dass solche Veranstaltungen strikt untersagt werden.

Der Ideengeber zu diesem von mir erstellten Meme ist in irgendeiner FB-Gruppe, in der ich ebenfalls bin. Ich weiß aber weder in welcher Gruppe das war, noch von wem der Dialektik-Spruch stammt, sorry.

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