Ich lese zur Zeit

Franz DoblerEin Schlag ins Gesicht„, nachdem ich „Ein Bulle im Zug“ in einem Zug in vier Zugfahrten durchgelesen habe. Zum wiederholten Male. Also „Ein Bulle im Zug“, zum wiederholten Male, „Ein Schlag ins Gesicht“ ist Premiere.

Warum hat man bei Heyne Hardcore eigentlich darauf bestanden, dass Dobler noch mehr nicht veröffentlichte Jim Thompson-Romane übersetzt? Meinetwegen auch bereits übersetzte, aber bis dato bei Hardcore nicht erschienene Romane, also Neuübersetzungen. Dabei kenne ich die alten Übersetzungen nicht einmal. Dafür jedoch zwei oder drei Originale.

Jim Thompson in „The Getaway“ (- Deine Chance ist der Tod)

Weder Jim Thompson noch Franz Dobler findet man deutschsprachig übrigens bei Audible nicht, dafür jede Menge Grisham, Falk (Rita, nicht Peter) und Bücher über Bücher aus der Feder dieses einen, dessen Namen mir nicht einfällt, von dem ich jedoch einen Roman nicht ganz geschafft und dessen anderes Buch ich nach zwanzig Seiten entnervt in die Ecke gefeuert habe, weil er auch in diesem weiteren Schreibversuch beabsichtigte (und es sogar umgesetzt hat), seine Figuren hölzern, klischeehaft und vorausschaubar wirken zu lassen. Nun habe ich es wieder, „Der Schwarm“ heißt das eine Buch, das ich beinahe komplett gelesen habe. Applaus einzig für den Rechercheaufwand, den er garantiert nicht allein bewältigt hat. Ach, Franz Schätzing ist es, genau. Wie gesagt, langweilig, belanglos, eindimensional, hölzern.

Von Thompson hat es bei Audible „The Killer inside me“ (natürlich) und „Murder at the Bijou“. Erfreulicherweise auch auf Italienisch, was mir wenig hilft, denn ausser ein paar Höflichkeitsformeln und diversen Kraftausdrücken die die Mutter des Gegenübers mit einschließen, spreche ich kein Italienisch. Italienische Thompsons hat es dort übrigens stolze vier Audiobücher. Gesprochen von Oliviero Cappellini, der eine viel zu nette Stimme dafür hat. Die beiden englischen Sprecher wirken übrigens so, als würden sie den Text ablesen. Es gibt übrigens insgesamt viel zu wenig Noir und Pulp auf Audible. Auf Deutsch sowieso auf Englisch.

Franz Dobler jedenfalls ist jemand, der durchaus an Jim Thompson herankommt. „Der deutsche Thompson“, würde das Boulevard jubeln, wenn es sich jemals auf das Niveau guten Noirs heraufbemühen würde. So wie es schreiben würde „Wird sie die neue Diana?“, wenn mal wieder ein Prinzensohn aus England eine neue Frau an seiner Seite hat, haben sollte und man sich – wie ich mit meinem Boulevardwissen – fragt: „Will man das überhaupt? Wozu schon wieder ein Unfall in einem Tunnel?“ Abgesehen davon, dass die Queen die neue Diana mit ihrer Reptiloidenzunge diese „neue“ Diana mit einem Schlag wegputzen würde.

Das sind Vergleiche, die ich hasse, ein wenig wütend werde sogar und mich bei der Poesiealbum-Weisheit „Jeder Mensch ist einzigartig“ ertappe.

Trotzdem habe ich bei noch keinem deutschen Autor diese Thompson-Schwärze so gelesen, wie bei Dobler. Vielleicht noch bei Clemens Meyer, obwohl es da eher in Richtung Melancholie geht, die auch enorm schwarz ist, aber in trauriger und ebenfalls nicht miteinander vergleichbar. Von Meyer gibt es übrigens „Die Nacht, die Lichter“ auch bei Audible. Natürlich gekürzt. Was eine der weiteren Todsünden ist. Wer ist jemals auf die krankhafte Idee gekommen, Hörbücher in gekürzter Version der Vorlagen herauszubringen? Vor allem gute Bücher? Das ist, als wenn ich dem Autoren bei lebendigem Leibe ein Körperteil abtrennen würde. Jetzt nicht ein sauberer Hieb mit Axt, Schwert odersowasinderart, sondern herausreißen, -zerren, -drehen, langsam aber endgültig. Da werden Stadt und Lichter verstümmelt bis auf’s Rümpfchen, während andere Verfasser bis zum Speien nicht nur einen Schwarm auf den Hörer loslassen dürfen. In Gänze, ungekürzt und dann noch einmal als Hörspiel. Gut, in diesem Fall wenigstens mit beinahe durchgehend guten Sprechern.

Was ich eigentlich sagen möchte: lest mehr Thompson, Dobler und Meyer oder lasst es.

Es gibt bestimmt eine Menge weiterer lebender Noir-Schriftsteller in Deutschland und wenn sie mir wieder einfallen, werde ich es glücklich aufschreiben.

Ach ja, und Bücher die bei Pulp Master erscheinen, diesem nette kleine Verlag aus Berlin, ist selbstverständlich immer zu empfehlen. Da kann man beruhigt immer zugreifen, wenn man im Buchladen ein Exemplar findet, egal von welchem Autoren.

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