Die Toten schauen zu

heißt der von Gerald Kersh geschriebene Roman, der vom Massaker von Lidice, das im Buch Dudicka genannt wird, handelt. Erschienen ist er bei Pulpmaster, Berlin. Ein Verlag der sich, wie es der Name schon andeutet, Pulp, Hardboiled und Crime Noir widmet.

Cover des Romans. Wie alle Buchumschläge von Pulpmaster, wurde auch dieses Werk vom Künstler 4000 gezaubert.

Es ist erstaunlich, dass Kersh seinen Roman Ende 1942 fertigstellte und er 1943 veröffentlicht wurde. Lidice wurde vom 9. auf den 10. Juni, als Racheaktion auf das Attentat auf Heydrich, komplett vernichtet. Alle männlichen Einwohner ab 15 Jahren (im Roman 17), wurden erschossen. Vor Gräben, die sie selbst ausheben mussten. Die Frauen wurden in das KZ Ravensbrück deportiert. Die Kinder wurden gesondert behandelt. Einen Teil, der als „arisierbar“ erachtet wurde, gab man in die Obhut deutscher Familien. Die, die als lebensunwert erachtet wurden, starben in KZs und Vernichtungslagern. Kersh zeichnet ein klares Bild des faschistoiden und rassistischen Geistes, der in den Köpfen der Täter herrschte. Nein, die Deutschen kommen da allesamt nicht gut weg. Alles ist der Ideologie untergeordnet. Alles folgt bereitwillig dieser Ideologie.Da ist Heinz Horner, unverkennbar Heinrich Himmler, mit Nickelbrille und leiser Stimme, angetrieben, die Ideologie des NS-Staates bedingungslos durchzusetzen. Seinem Verständnis nach durchaus logisch. Und dann ist da ein Hauptmann mit Aufstiegsambitionen, dessen Aufgabe es ist, alles Metallische des Dorfes zu sichern. Und er sichert. Vom bleiernen Kirchendach, über Landeirtschaftsgerät, bis in zu Türklinken und den INRI-Inschriften über den Kreuzen in jeder Wohnung des Dorfes.

Ich liebe Hardboiled, Pulp und Noir. Ich mag die fiktiven Situationen und Fragen der Entscheidung, die in diesen Romanen gestellt werden und die inzwischen glücklicherweise nicht immer (immer noch viel zu selten) dem fragwürdigen Männlichkeitsbild von Chandler und Hammett folgen. Dieser Roman erzählt von echter Gewalt, von Menschenverachtung. Der Satz „Der Slawe ist ein Sklave“, taucht im Zuge der Handlung mehrfach auf. Ich habe es selten gehabt, dass ich gleichzeitig derart angezogen und angewidert war, weiterlesen wollte, obwohl ich genau wusste, dass es keine Hoffnung gibt.

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