Schachnovelle

Am Samstag die erneute Verfilmung von Schachnovelle (Vorsicht, Spoiler), im Kino gesehen. Es ist lange her, dass ich das Buch gelesen habe, bestimmt 30 Jahre. Ich halte Verfilmungen von Bücher grundsätzlich für schwierig, ganz besonders von solchen die man – ob berechtigt oder unberechtigt – zur Belletristik zählt.

Nun also Schachnovelle. Im Gegensatz zum Buch, das auf dem Schiff beginnt und sich mit als ersten Punkt, der Beschreibung des Schachweltmeisters widmet, beginnt der Film in der ersten Szene direkt mit Dr. B, Doktor Joseph Bartok, der versucht auf ein Schiff zu gelangen und dabei mehrere Kontrollposten passieren muss. Doch damit und einem Bild aus dem Film, soll es genug sein mit der Spoilerei auf das Wesentliche des Films.

Oliver Masucci als Dr. B. in „Schachnovelle“, 2021. Bild: Studiocanal GmbH/Julia Terjung

Kommen wir jedoch zu einigen Elementen, die mich massiv stören. Eine Szene spielt im Wiener Opernhaus, auf einem Festball. Natürlich wird getanzt und – das ist für mich das Ärgernis – fällt dem Regisseur nichts anderes ein, DEN Walzer von Strauss erklingen zu lassen. Diese Melodie erkennt wohl jeder und ist bestimmt das Erste, was man assoziiert, wenn jemand das Stichwort „Walzer“ nennt. Gegen dieses Stück ist gewiss nichts einzuwenden. Dagegen, dass man es klischeemäßig in fast jede Filmszene, die in irgendwelchen Ballsälen, ganz besonders jedoch in den vom Opernhaus einbaut, schon. Sorry, aber das hat mich gestört. Gänzlich unkreativ. Dabei gibt es eine ganze Reihe an Walzern, deren Melodie ebenso bekannt, aber nicht ganz so abgenudelt sein dürften.

In einer anderen Szene, werden im Hotel Metropol Bücher sortiert. Die, die das Hotel behalten darf und solche, die in den „Brennkorb“ kommen. Das mag gut gemeint gewesen sein, um noch einmal an die Bücherverbrennungen vom 10.05.1933 zu erinnern, nur war das eben knappe fünf Jahre zuvor. Klingt kleinlich, aber der Film hatte mehrere solcher Elemente, die das Ganze zusammengenommen, an so einigen Stellen, als bemüht erscheinen lassen.

Trotz dieser – in meinen Augen – Schwächen, ist es ein großartiger Film geworden. 112 Minuten ein Oliver Masucci, der mich durch seine bloße Präsenz erschlagen hat. Wer sich diesen Film noch anschauen möchte, vielleicht mal darauf achten, wie lange es dauert, bis er in dem Film seinen ersten längeren, vollständigen Satz spricht und was in der Zeit davor an Mimik und Gestik bei ihm passiert. Die anderen Schauspieler, u.a. Birgit Minichmayer und Albrecht Schuch, verschwinden fast hinter dem, was Oliver Masucci da macht. Das bedeutet übrigens keinesfalls, dass sie schlecht spielen. Es tut der Verfilmung gut, dass man bei den wichtigen Rollen auf Schauspieler zurückgegriffen hat, die eben nicht nur Film, sondern auch Theater spielen und bei den drei hier genannten, hat man bei (ehemaligen) Ensemblemitgliedern des Wiener Burgtheaters garantiert nicht daneben gegriffen. Die Kamera, die oftmals verwinkelt oder schräg gestellt filmt, schafft zusätzlich eine klaustrophobisch bis manische Atmosphäre. Mir haben diese 112 Minuten, trotz der o.g. Schwächen, zu schaffen gemacht. Und das ist, was guter Film machen soll, den Zuschauer nah miterleben lassen.

Ich schaue mir Filme eigentlich selten kurz hintereinander noch einmal an. Hier wird das jedoch der Fall sein. Man kann ihn auch zuhause schauen, klar, auf einem großen Flatscreen. Doch seine volle Gewalt entfaltet er definitiv nur auf der Leinwand und – ich wiederhole mich – Oliver Masucci trägt das ganze Dinge die gesamte Länge des Films allein.

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