Das Israelbild in Deutschland entspricht dem Totalversagen von Politik und Sicherheitsbehörden

Puh, gut dass die Inzidenzwert fast bundesweit erheblich sinken und die Impfquote steigt. Dann haben wir endlich ein bisschen Zeit, denn seit einer Woche sind wir alle Nahost-Experten. Mal wieder. Das werden wir immer, sobald die Nachrichten tönen „Israel bombardiert Ziele in Gaza“, gefolgt von einem lapidaren „zuvor schoß die Hamas/der Islamische Jihad dutzende von Raketen auf israelisches Gebiet.“ Das ist in der Regel der Textbaustein, aus dem sich die Journalisten bei SZ, FAZ, ARD, ZDF, dem Spiegel sowieso und dem Großteil der deutschen Medien bedienen. Dabei spielt es keine Rolle, ob die tatsächliche Zahl 12, 30, 80 oder 100+ Raketen entspricht.

Bis gestern wurden 3700 Raketen in Richtung Israel abgeschossen, von denen der größte Teil durch den Iron Dome abgefangen werden konnte. Dennoch erreichten einzelne Raketen israelisches Gebiet. Dabei kamen bis zum 15. Mai acht Menschen zu Tode. Wenn es dabei trifft, ob Kinder, Frauen, Juden oder Muslime, ist den Terroristen der Hamas herzlich egal.

Ebenso egal wie Politiker der EU, die meinen sich unbedingt als Vermittler aufrdrängen zu müssen. Diese „Vermittler“ müssten eigentlich wissen, dass Verhandlungen mit Terroristen nichts bringen, am allerwenigstens mit dem Islamischen Jihad und der Hamas. In der Charta dieser Terrororganisation ist in mehreren Artikeln die Vernichtung Israels postuliert. Da gibt es keine Verhandlungen, die langfristig zu einem Kompromiss oder gar zu Frieden führen. Es mag, irgendwann, ein Waffenstillstand ausgehandelt werden. In der Regel zufällig genau dann, wenn denen in Gaza die Raketen ausgehen und, auch darauf ist Verlass, findet die Waffenruhe ein jähes Ende, wenn wieder genug Gelder aus dem Iran und den NGOs aus der ganzen Welt dorthin geflossen sind, dass damit neue Waffen produziert werden können.

In Gaza starben ungefähr 140 Menschen. Teils durch die Gegenangriffe der IDF, aber auch durch Raketen der Hamas, die Israel erst gar nicht erreichten, sondern innherhalb des Gazastreifens niedergingen und so zivile Opfer forderten. Eine Tatsache, die ich den deutschen Nachrichten gar nicht bis selten entnehmen konnte. Auch diese Opfer sind der Hamas egal, werden jedoch zu den Opferzahlen hinzuaddiert und der IDF untergeschoben. Die meisten Medien hieruzulande übernehmen auch diese Zahlen, meistens ohne die wahren Zusammenhämnge zu erwähnen. Von insgesamt 3200 Raketen die in Richtung Israel abgefeuert wurden, explodierten israelischen Angaben zufolge rund 450 in Gaza selbst. Das entspricht etwa 14%., was wiederum jede 7. Rakete ist.

Finanziert wird das Ganze aus u.a. durch die EU. Jedes Jahr fließen verlässlich etwa 200 Millionen Euro nach Ramallah. 2020 kamen noch einmal etwa 85 Millionen an Corona-Hilfen obendrauf. Im Westjordanland haben Abbas und seine Speichellecker, nachdem zunächst einmal die angebotene Hilfe Israels abgelehnt wurde, hauptsächlich sich selbst mit Impfstoff versorgt, während in der deutschen Presse teilweise entrüstet gefragt wurde, warum sich denn bitteschön Israel nicht um diese Gebiete kümmern würde. Alle Journalisten, die eigentlich objektiv und nicht tendenziös arbeiten sollten, wissen sehr wohl, dass man es in der Westbank schlichtweg nicht auf die Kette bekommen hat Impfstoff aus Russland zu kaufen. Am Ende hat Israel dann glücklicherweise doch ausgeholfen und so konnten höchstwahrscheinlich einige Menschenleben dort gerettet werden. Was mit den Geldern für den Impfstoff in Gaza geschah, sieht man dieser Tage in Form von mehr als 3000 abgefeuerten Raketen und diverser Tunnel, die inzwischen, dank der IDF, nicht mehr ganz so tunnelig sind.

Seit einigen Tagen kommt es in Deutschland zu Demonstrationen, die von vielen Medien als pro-palästinensisch beizeichnet wurden. Hier hat u.a. die Tagesschau mal wieder ein wahres Glanzstück geleistet, indem es den offenen Vernichtungsantisemitismus schlichtweg verschwieg. Nicht eine Anmerkung kam dazu, obwohl am Donnerstagabend ein Mob von Antisemiten vor der Synagoge in Gelsenkirchen stand und „Scheiß Juden“ krakeelte. Selbst auf dem Presseportal der Polizei Gelsenkirchen stand zunächst „Dabei wurden auch antiisraelische Rufe skandiert.“ Ein starkes Stück. Schließlich standen Beamte direkt daneben, starrten stur geradeaus und sicherten durch ein Spalier von zwar die Synagoge, aber niemand kam auf die Idee diesen antisemitschen Hass umgehend zu stoppen. Wären die 180 „Demonstranten“ losgestürmt, die Polizisten hätten keine Chance gehabt. Es ist wie so oft in Deutschland. Ob bei Quer“denker“-Demos oder bei den Demontsrationen in den letzten Tagen, fast immer reagiert man, selbst bei offenem (Vernichtungs)Antisemitismus überhaupt nicht oder nur zögerlich. Wahrscheinlich ist man immer noch überrascht, welche Dimensionen Antisemitismus annehmen kann. Woher sollte man in Deutschland auch Erfahrung damit haben?

Immerhin bemühte man sich bei der Polizei Gelsenkirchen, etwa 16 Stunden später und wohl auch nur nach massiven Druck seitens einiger Leser in den sozialen Netzwerken, doch noch darum die erste Pressemeldung zu ergänzen und Antisemitismus auch als solchen zu benennen.

Im Zuge der nicht angemeldeten Demonstration am gestrigen Abend, 12. Mai 2021, in der Gelsenkirchen Altstadt konnte die Polizei verhindern, dass die Demonstranten auf jüdische Einrichtungen unserer Stadt einwirken konnten. In unmittelbarer Nähe der jüdischen Synagoge, wo die Beamten die Demonstranten durch eine Polizeikette aufhalten konnten, wurden aus der Gruppe heraus antisemitische Parolen skandiert. Die Polizei führte vor Ort Beweissicherungsmaßnahmen durch und fertigte Strafanzeigen wegen Volksverhetzung, Landfriedensbruch, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Beleidigung von Einsatzkräften sowie Ordnungswidrigkeitenanzeigen wegen Verstöße gegen die Coronaschutzverordnung. Primäres Ziel der Einsatzkräfte war der Schutz der jüdischen Synagoge. Um den Schutz des Gotteshauses zu jedem Zeitpunkt sicherzustellen, wurde aufgrund der Lagebewertung zu diesem Zeitpunkt auf die Festnahme von Tatverdächtigen verzichtet. Die Polizei ist zuversichtlich, dass durch die Beweissicherungsmaßnahmen Tatverdächtige ermittelt werden, um zeitnah Strafverfahren gegen die Aggressoren einleiten zu können.

Seit einigen Tagen erlebt Deutschland die Forderung nach Vernichtungsantisemitismus. Direkt, klar und überlaut. Zum allergrößten Teilen handelt es sich hierbei um muslimischen Antisemitismus. Doch unter den Demonstrierenden finden sich auch Teile der deutschen Linken. Marxisten, die Antisemiten vom BDS und die“Israelkritiker“ Linksjugend solid NRW waren ebenfalls mit von der Partie. Zwar stimmte man wohl nicht mit in die Sprechchöre „Kindermörder Israel“ etc mit ein, aber man sah auch keinen Grund sich zu distanzieren.

Dazu passt es dann auch prima, dass Berlins Innensenator die Teilnehmer folgendermaßen beschrieb:

„300 bis 400 junge Männer, arabischstämmig, nicht politisch organisiert, eher erlebnishungrig

Edit: den durchgestrichenen Teil habe ich der Bild entnommen. Ja, der Bildzeitung. Die lese ich zu den Berichten aus Israel momentan tatsächlich regelmäßig, weil – zumindest in meinen Augen – darauf bisher stets mehr Verlass war, als auf die Berichte von Tagesschau, Spiegel, SZ usw. Hier allerdings scheint es, als habe Geisel das selbst gar nicht so gesagt. Die rbb zitiert ihn mit den Worten

Nach bisherigem Erkenntnisstand kamen die Gewalttätgkeiten nicht aus dem Bereich organisierter Palästinsner, sondern, die Polizei nennt das „erlebnisorientierte Jugendliche (…) Von dort ging eine unglaubliche Aggressivität hervor.

E-r-l-e-b-n-i-s-h-u-n-g-r-i-g. Laut formulierte Vernichtung von Juden als Spaßevent. Heia Safari, alle bitte Einsteigen, die nächste Fahrt geht rückwärts.

Ich weiß momentan tatsächlich nicht, wer diese Worte nun gesagt hat, das ist ganz kurz auch zweitrangig, denn es zeigt deutlich, dass Antisemitismus erneut relativiert und eine reale Gefahr kleingeredet wird. Ob es jetzt Herr Geisel oder irgendjemand von der Polizei war, ist beides gleichermaßen fatal.

Immerhin will Geisel nun schnellstens einen „runden Tisch gegen Antisemitsmus“ einberufen.

Ja, endlich, hurra, jetzt gehts es rund (um den Tisch) und anschließend kommt man da wieder an, wo eilfertig losgelaufen wurde. Dann gibt es die zigste „Nie wieder“-Gephrasel-Veranstaltung, es werden die üblichen Nullsätze in die aufgestellten Mikorfone und Objektive geshwafelt. Garniert mit bunten Lichterketten und Kippot. Da fassen wir uns alle an den aufgeregt-schwitzigen Händchen und singen „Hava Nagila“, zur fröhlichen Melodei der Klarinette. Anschließend brav nachhause und hoffen, dass nichts passiert.

Es wäre viellicht nicht schlecht, wenn sich Herr Geisel einen Job sucht, dem er auch gewachsen ist. In einem Sessel sitzen und weder links noch rechts schauen, beispielsweise.

Die Tagesschau präsentierte ebenfalls (mal wieder) ein wahres Glanzstück, indem es den offenen Vernichtungsantisemitismus schlichtweg verschwieg. Nicht eine Anmerkung kam dazu, obwohl am Donnerstagabend ein Mob von Antisemiten vor der Synagoge in Gelsenkirchen stand und man als neutral berichtender Journalist genau weiß, dass die Radikalität der Forderung so schnell nicht abflachen wird. So darf es eigentlich auch nicht verwundern, dass in der Tagesschau die Parolen wie „From the river to the sea…“ und das ebenfalls Übliche „Kindermörder Israel“ komplett unerwähnt blieben. Die Forderung der Vernichtung Israels und das Aufwärmen der Ritualmordlegende, 100%iger Antisemitismus sind dem größten deutschen TV-Nachrichtenmagazin keine Silbe der Erwähnung wert. Die Köpfe der Hamas wissen selbstverständlich, dass sie sich auf so etwas verlassen können und die Tagesschau macht durch diese Art der Berichterstattung zum willigen Handlanger der Hamas, wirkt als direkter Verstärker des Antisemitismus in Deutschland.

Was ich vermisse ist, dass jemand aus der deutschen Politik, unmittelbar nachdem sich die ersten antisemitischen Mobs vor den Synagogen sammelten, ebenso unmittelbar eine jüdische Gemeinde aufsuchte und den Gemeindemitgliedern persönlich zusicherte, dass die deutschen Sicherheitsorgane alles dafür tun würden, um alle Syngagogen, andere jüdische Einrichtungen und, last but not least, natürlich die Juden selbst beschützen würden. Doch da kam nichts, nada, niente, רבד םוש Sicherlich, öffentlichkeitswirksam kamen diese Zusicherungen und ich bezweifle nicht, dass sie auch ernst gemeint waren und sind, aber unter’m Strich ist das doch ein bisschen wenig, so aus der Ferne schwallen.

Noch einmal kurz zu den „israelkritischen“ Demonstrationen: Selbstverständlich gab es auch Gegenproteste, doch wenn israelsolidarischen Menschen, die in Köln etc. Präsenz zeigten und damit ihre körperliche Unversehrtheit riskierten, seitens der Ordnungskräfte gesagt wird, sie sollen ihre Israelfahne besser verstecken, weil dies als Provokation aufgefasst werden könnte, dann läuft in diesem Land etwas ganz gefährlich falsch.

Falsch ist übrigens auch das, was unmittelbar aus den Mündern einiger CDUler zu hören war, indem sie allein den muslimischen Antisemitismus verantwortlich machten. Es stimmt, es sind vornehmlich Muslime, die am Wochenende demonstrierten, unterstützt von einem Haufen Linker oder Menschen die glauben, dass sie dem linken Spektrum angehören, bei denen es sich jedoch bei neutralert Betrachtung nur um einen Haufen armseliger Faschisten handelt.

Es ist jedoch zu kurz gegriffen, jetzt nur mit dem Finger auf die Muslime zu zeigen. Wir haben jetzt beinahe ein Jahr lang, regelmäßig Quer“denker“-Demonstrationen erlebt, auf denen jedes Mal der Holocaust relativert wurde, auf denen wir Reden gehört haben, in denen von sinistren Strippenziehern gesprochen wurde, die das Weltgeschehen lenken. Auf diesen Veranstaltungen tauchten Menschen auf, die sich als Jude in Sträflingskleidung verkleideten (München) oder gleich offen ihren Antisemitismus auf einem T-Shirt mit dem Aufdruck „Lies die Protokolle“ spazieren trugen (Berlin). Vor etwa zwei Wochen wurde in Leipzig einer jüdischen Studentin geraten doch nachhause zu gehen. Die Antisemitin ging sogar so weit, dass sie versuchte in die Wohnung der jungen Frau einzudringen. Niemand in dem Mehrparteienhaus eilte zur Hilfe und die Polizei tauchte erst nach einer Stunde und mehreren Anrufen auf. Am Wochenende attackierten „Fans“ von Dynamo Dresden nach dem Spiel Journalisten und schrien dabei „Judenpresse“. Last nut not least: haben die, die jetzt mit dem Finger ausschließlich auf Muslime zeigen: Ist Halle schon wieder vergessen? Was ist mit den unzähligen Anschläge auf das Schalom in Chemnitz?

Der Antisemitismus in Deutschland hat seit einem Jahr zugenommen. Mehr als besorgniserregend. Da sind die „Demonstrationen“ vom Wochenende „nur“ die Spitze des Eisbergs. Die Saat wurde schon lange gelegt und ist über zwölf Monate aufgegangen.

Genährt von den besagten Quer“denkern“, Attila Hildmann und auch von der Untätigkeit deutscher Behörden. Hätte die Staatsanwaltschaft schneller gearbeitet, könnte Hildmann jetzt nicht in der Türkei sitzen, Tag für Tag seine antisemitsche Hetze ins Netz kübeln und zum Mord an Juden aufrufen.

Es gilt jedem Antisemitismus entgegenzutreten und nicht nur dann, wenn das Bennen der Zielgruppe gerade pressiert. Bei Menschen, die hier ausschließlich auf Muslime, Linke oder Rechte zeigen, kann man sich schon die berechtige Frage stellen, ob sie wirklich so sehr gegen Antisemitismus sind oder in Wirklichkeit nicht ein anderer Grund vorliegt.

Edit: oh, gerade lese ich, dass die Staatsanwaltschaft wohl ein Ermittlungsverfahren eingeleitet hat, um versuchen herauszufinden, wer die Information zum bevorstehenden Haftbefehl an Hildmann durchgestochen hat, dass dieser untertauchen und sich der Festnahme entziehen konnte.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass zu diesem frühen Zeitpunkt nur wenige Menschen Kenntnis von dem frisch ausgestellten Haftbefehl hatten: die Haftrichterin, deren Mitarbeiter, eine Sekretärin in der Geschäftsstelle oder auch ein Sicherheitsmann, der die Akte transportiert hatte. Weder Hildmann noch seine Anwälte wurden vom Gericht informiert.

Zwar erst beinahe sechs Monate später, aber immerhin geschehen noch Dinge, die man beinahe als Zeichen und Wunder bezeichnen könnte





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